Die Sekunden, bevor es losgeht, sind oft die schlimmsten.
Hände kalt, Gedanken rasen, Herz klopft bis zum Hals. Der Körper fühlt sich fremd an – als wolle er lieber weglaufen als spielen.
Und dann: Bühne. Licht. Alle Augen auf Dich.
Wer starkes Lampenfieber kennt, weiß, wie lähmend es sein kann.
Und trotzdem – oder gerade deswegen – lohnt es sich, sich selbst dabei besser kennenzulernen.
Hier sind ein paar Strategien, wie Du auf der Bühne im Fokus bleibst, obwohl (oder während) die Nervosität tobt:
1. Atmung als Anker – nicht zur Beruhigung, sondern zur Verbindung
Wie es sich anfühlt:
Du stehst hinter dem Vorhang, die Gedanken jagen. Du versuchst, Dich zu beruhigen – es klappt nicht.
Stattdessen: Nimm einen tiefen Atemzug. Nicht, um “ruhig” zu werden. Sondern, um anzukommen.
👉 Atme ein – zähle bis 4.
👉 Halte kurz – zähle bis 2.
👉 Atme aus – zähle langsam bis 6.
Was passiert:
Dein Körper bekommt Raum. Der Atem verlangsamt automatisch den Herzschlag. Und Du bekommst das Gefühl zurück, bei Dir zu sein – nicht im Kopfkino.
2. Fokus nicht auf „gut sein“ – sondern auf: „jetzt hören, jetzt spüren“
Wie es sich anfühlt:
Du bist mitten im Stück. Dein Kopf sagt: “Hoffentlich klappt gleich der Übergang.”
Du verlierst den Moment.
Stattdessen:
Fokussiere Dich auf das, was jetzt passiert:
Höre bewusst den Klang Deiner ersten Töne. Spüre den Kontakt zum Boden oder Instrument. Nimm Dir einen Moment im Stück, um bewusst langsam zu atmen oder zu phrasierten – selbst, wenn es nur ein Takt ist.
Was passiert:
Du verlagerst Deinen Fokus von der Angst („Was kommt gleich?“) hin zum Jetzt („Was mache ich gerade?“).
Und genau dort liegt Deine Kontrolle.
3. Plane kleine Inseln im Stück – Momente, die nur Dir gehören
Wie es sich anfühlt:
Du spielst wie im Tunnel. Alles rast vorbei. Kaum ein Moment, an dem Du bewusst denkst oder fühlst.
Tipp:
Markiere Dir 1–2 Stellen im Stück, an denen Du Dich bewusst innerlich sammelst.
Das kann sein:
Ein Atemmoment vor einer Generalpause. Ein Auftakt, bei dem Du bewusst wartest, bevor Du weitergehst. Ein ruhiger Schlussakkord, bei dem Du langsam loslässt.
Was passiert:
Du schaffst Dir mentale „Haltestellen“ – kurze, verlässliche Punkte, an denen Du Dir selbst begegnest.
4. Kenne Deine Nervosität – und verhandle mit ihr
Wie es sich anfühlt:
Du denkst: „Ich darf nicht nervös sein.“
Doch genau dieser Widerstand macht es schlimmer.
Stattdessen:
Erkenne an, dass Lampenfieber Teil des Spiels ist. Sag Dir:
👉 „Ich darf aufgeregt sein – und ich spiele trotzdem.“
👉 „Mein Körper macht sich bereit – das ist Energie.“
Was passiert:
Du nimmst der Nervosität das Drama. Du kämpfst nicht mehr dagegen – Du nutzt sie.
5. Nach dem Spiel ist vor dem Wachstum
Wie es sich anfühlt:
Applaus. Erleichterung. Vielleicht ein kleiner Fehler. Vielleicht lief es besser als gedacht.
Nimm Dir danach bewusst Zeit:
Wie hast Du Dich gefühlt? Was hat Dir geholfen, im Moment zu bleiben? Wo warst Du „weg“ – und warum?
Was passiert:
Du lernst aus jedem Auftritt – nicht, um perfekt zu werden, sondern um immer wieder Zugang zu Dir selbst zu finden, auch in Stressmomenten.
Fazit:
Lampenfieber geht nicht weg. Aber Du kannst lernen, damit zu spielen, statt dagegen.
Mit Fokus, Atem, und kleinen Ritualen bleibst Du handlungsfähig – und sogar kreativ.
Der Auftritt ist nicht der Moment, in dem Du „beweisen“ musst, wie gut Du bist.
Er ist der Moment, in dem Du teilen darfst, was in Dir steckt – mit allem, was dazugehört.


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