Eigene Praxiseinordnung
Das Übemanual von Susan Williams beschäftigt sich mit der Qualität des Übens: Aufmerksamkeit, Selbstbeobachtung, Vorstellungskraft, Variation und sinnvolle Übestrukturen.
Dieser Beitrag ist keine vollständige Wiedergabe des Manuals. Er fasst ausgewählte Gedanken in eigenen Worten zusammen und überträgt sie auf die Übepraxis von Besser Üben.
1. Üben ist mehr als Zeit am Instrument
Viele Lernende fragen zuerst: „Wie lange soll ich üben?“ Mindestens genauso wichtig ist aber die Frage: „Was tue ich in dieser Zeit?“
Eine kurze, klare Übeeinheit kann sinnvoller sein als eine lange, ungerichtete.
Hilfreich sind Fragen wie:
- Was ist heute mein konkreter Fokus?
- Welche Stelle braucht Aufmerksamkeit?
- Was höre ich schon gut?
- Was ist noch unklar?
- Was ändere ich beim nächsten Versuch?
2. Bewusstes Üben braucht Beobachtung
Wer übt, beobachtet sich selbst: Klang, Bewegung, Timing, Atem, Spannung, Orientierung.
Dabei geht es nicht darum, sich ständig zu kritisieren. Es geht darum, Daten zu sammeln:
- Was passiert wirklich?
- Was glaube ich nur?
- Was höre ich auf einer Aufnahme?
- Was fühlt sich anders an, wenn ich langsamer spiele?
- Welche Veränderung macht die Stelle leichter?
So wird Üben konkreter.
3. Variation macht Lernen beweglicher
Wenn eine Passage immer nur in derselben Weise wiederholt wird, funktioniert sie manchmal auch nur unter genau diesen Bedingungen.
Variation kann helfen:
- anderes Tempo,
- anderer Rhythmus,
- andere Artikulation,
- andere Dynamik,
- anderer Startpunkt,
- kleinere Abschnitte.
Der Sinn der Variation ist nicht Spielerei. Sie zeigt, ob eine Stelle wirklich verstanden und kontrollierbar ist.
4. Mentales Üben ergänzt das Spielen
Manche Stellen lassen sich vorbereiten, bevor man sie spielt. Das kann besonders dann helfen, wenn der Ablauf noch unklar ist.
Mögliche Formen:
- innerlich hören,
- Bewegungsablauf vorstellen,
- Rhythmus sprechen,
- Fingersatz oder Ablauf ohne Instrument durchgehen,
- schwierigen Einstiegspunkt gedanklich vorbereiten.
Mentales Üben ersetzt das praktische Spiel nicht vollständig. Es kann aber helfen, die Aufmerksamkeit zu bündeln und die nächste Wiederholung bewusster zu machen.
5. Üben ist Problemlösen
Wenn etwas nicht funktioniert, ist „nochmal von vorne“ selten die beste erste Lösung.
Besser:
- Problem genau benennen,
- Stelle verkleinern,
- Ursache suchen,
- eine Veränderung testen,
- Ergebnis überprüfen,
- erst dann wieder verbinden.
Diese Haltung nimmt Druck aus dem Üben. Eine schwierige Stelle ist kein Beweis für mangelndes Talent, sondern ein Arbeitsauftrag.
6. Pausen gehören dazu
Konzentration ist begrenzt. Wenn Aufmerksamkeit, Körpergefühl oder Hören nachlassen, wird Weiterüben schnell ungenau.
Pausen können helfen, wieder genauer wahrzunehmen. Auch ein Wechsel der Aufgabe kann sinnvoll sein: erst Technik, dann Klang, dann ein bekanntes Stück, dann wieder die Problemstelle.
Fazit
Aus der Beschäftigung mit Susan Williams’ Übemanual lässt sich für die Praxis ableiten: Gutes Üben ist aufmerksam, konkret und überprüfbar. Es verbindet Spielen, Hören, Denken, Variieren und Reflektieren.
Quelle:
Susan Williams: Übemanual, Hochschule für Musik Detmold.
Das Originaldokument ist auf der Seite verlinkt. ➡️ Übemanual von Williams (PDF)
👉 Welche dieser Erkenntnisse nutzt Du bereits in Deinem Üben? Schreib es in die Kommentare! 🎶✨
#EffektivÜben #Musiklernen #MentalesTraining #WilliamsÜbemanual