Ein Fehler kann sich sehr persönlich anfühlen.
Ein falscher Ton. Ein wackeliger Rhythmus. Ein Übergang, der gestern noch ging und heute wieder auseinanderfällt. Sofort ist ein Gedanke da: Ich kann das einfach nicht.
Dieser Gedanke ist oft belastender als der Fehler selbst.
Beim Üben ist ein Fehler zunächst eine Information. Er zeigt, wo etwas noch unklar ist. Vielleicht sitzt eine Bewegung noch nicht zuverlässig. Vielleicht ist der Rhythmus verstanden, aber körperlich noch nicht angekommen. Vielleicht hört das innere Ohr die Stelle noch zu ungenau. Vielleicht ist das Tempo zu hoch.
Der Fehler ist dann kein Beweis gegen dich. Er zeigt dir Material zum Weiterarbeiten.
Dafür muss er kleiner werden.
„Das Stück klappt nicht“ ist zu groß.
„Der Wechsel vom dritten zum vierten Finger kommt zu spät“ ist brauchbar.
„Die linke Hand hält den Puls nicht, sobald rechts die Achtelbewegung beginnt“ ist noch genauer.
Je genauer die Beobachtung, desto ruhiger wird das Üben.
Viele, die als Erwachsene ein Instrument lernen, bringen hohe Ansprüche mit. Sie haben in anderen Lebensbereichen längst gelernt, Verantwortung zu übernehmen, Ergebnisse zu liefern, sich zu organisieren. Am Instrument begegnet man plötzlich wieder einem Lernprozess, der langsamer ist, körperlicher, hörbarer und manchmal ziemlich ungeduldig macht.
Genau deshalb ist Fehlerfreundlichkeit so wichtig.
Fehlerfreundlichkeit bedeutet Genauigkeit ohne Selbstabwertung.
Man schaut hin. Man benennt. Man verändert eine Sache. Dann probiert man wieder.
Das ist eine professionelle Haltung zum Lernen. Sie hilft im Unterricht, beim Alleinüben und später auch beim Vorspielen. Denn wer Fehler als Information lesen kann, bleibt handlungsfähiger. Der innere Kommentar wird leiser. Die Aufgabe wird klarer.
Besser Üben widmet diesem Thema bewusst Raum, weil viele Menschen beim Üben an der Stelle hängen bleiben, an der sie sich selbst beurteilen. Dabei beginnt Fortschritt oft genau dort, wo man nüchtern fragen kann: Was zeigt mir dieser Fehler gerade?
Diese Frage ist klein. Aber sie verändert viel.
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